Woran ich denke, wenn im Frühling der Flieder blüht

Heute bin ich mit meinen zwei Jüngsten zum Spielplatz spaziert. Endlich dürfen wir wieder hin! Dort wächst, gleich neben dem Sandkasten und hinter der Bank, auf der ich gerne sitze, ein wunderschöner Fliederbusch mit hellvioletten Blütenkerzen.

Ein kleines Mädchen im Frühling

Ich weiß nicht, wie es dir geht. Aber ich liebe Flieder.

Sein Duft berührt mich. Umhüllt mich. Und trägt mich zurück. Zurück in die Zeit, in der ich noch klein war. In einem großen Haus. Mit einem wilden Garten und einem Wald gleich vor der Tür.

Schon damals konnte ich es nicht erwarten, dass die Erde sich schmückte und die Blumen endlich hervorkamen wie bunte Knöpfe auf einem grünen Kleid: Die weiß-rosa Buschwindröschen, die honiggelben Himmelschlüsselchen und die lila Leberblümchen – alle, alle wünschte ich mir herbei.

Jedes Jahr wieder sehnte ich mich nach dem Ruf des Kuckucks, dem Klappern des Storches auf dem Schornstein neben unserem Haus und nach jenem Frühsommermorgen, an dem meine Mutter auf der Terrasse den ersten Rhabarber schälen würde.

Hmm…wie gut das roch. Und wie schön das war. Aus dem Bett klettern, die Treppen hinunter steigen und dann gleich raus auf die Terrasse treten. Rhabarber-Duft einatmen. Und Liebe und samtweiche Morgenluft.

Junges Licht und weiter Himmel

Noch heute klopft mein Herz und leuchten meine Augen, wenn der Frühling kommt.

Noch immer mag ich seinen Wind, der so warm ist und weich und mir im Vorbeiwehen eine Geschichte erzählt. Von einem Meer aus abertausend zarten Blüten. So bunt und so schön wie der Regenbogen.

Ich mag das junge Licht – das sich über sich selbst zu wundern scheint – wenn es mit den Schatten der zartgrünen Sträucher Verstecken spielt. Oder wie ein goldig schimmernder Schleier luftleicht durch mächtige Baumkronen schwebt.

Ich liebe den Himmel, der plötzlich so weit ist und so freundlich und so wunderbar blau. Ich spüre, wie er aufatmet und wieder frei ist. Frei von der Last dunkler Winterwolken und grauer Nebelschwaden. Blankgeputzt für das stete Sri Sri der Mauersegler und das geschäftige Zwitschern der Schwalben.

Ein Versprechen und ganz viel Sehnsucht

Für mich ist der Frühling wie ein Versprechen. Wie eine Ahnung von etwas, was wunderschön ist. Etwas, was erst noch kommt.

Gerade so wie der Morgen, der einen neuen Tag verspricht.

Wenn er mir begegnet, so grün, so lau, so licht und so voller Fliederduft – dann stelle ich mir vor, wie es im Paradies wohl ist: wo alles für immer und noch viel schöner ist.

Dann sehne ich mich. Und das ist schön…

Nach Allah, dem Barmherzigen, der all dies so vollkommen für uns, Seine Diener, erschaffen hat.

Und nach der Knospe meines Herzens, die blüht, dort in jenem Garten, der alle Farben des Frühlings hat.

Möge Allah uns in Jannatul firdaus führen und uns dort vereinen.

Bild von Gabriele Lässer auf Pixabay

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