Mama-Burnout:Wenn Müttern die Kraft ausgeht

Hast du auch manchmal Tage, an denen du den Wisch-Mopp am liebsten in hohem Bogen aus dem Fenster werfen würdest? Und die Staubmäuse gleich hinterher.

Tage, an denen schon der Anblick eines einzigen unschuldigen Krümels genügt, um dir den Hals zuzuschnüren?

Tage, an denen dein Herz so wild und unvernünftig vor sich hin springt, dass es weder gewillt noch fähig ist, sich den Erfordernissen des Alltags zu beugen?

Tage, an denen du ungeduldig und unfreundlich bist und ständig mit den Kindern schimpfst? Und danach mit dir selber?

Tage, an denen dir alles schwer fällt. Und nichts läuft. Außer der Nase und ein paar Tränen vielleicht?

Ich schon!

Erschöpfung als Mutter? Tabu?!

Ob frau so etwas zugeben darf? Offiziell eigentlich nicht.

Gute Mütter/Frauen kommen klar. Immer. Und wenn nicht, dann behalten sie es für sich. Das scheint ein ungeschriebenes Gesetz zu sein. An das wir uns viel zu oft halten. Leider. Denn es führt dazu, dass wir einsam und verschämt vor uns hin leiden, wenn es doch mal nicht so läuft. Anstatt uns auszutauschen und einander beizustehen.

Daher – weg mit dem Tabu! Und her mit dem Austausch! Sprechen wir darüber! Weil es keine Schande ist, als Mutter auch mal erschöpft und frustriert zu sein. Es fühlt sich nur so an, so lange keine(r) drüber spricht.

Darum will ich den Anfang machen und ehrlich zu dir sein.

Viel Arbeit, wenig Hilfe, fehlende Abwechslung

Manchmal könnte ich schon morgens halb 8 in Tränen ausbrechen.

Nämlich dann, wenn ich nach einer kurzen Nacht auf meine lange imaginäre „Haushalt-only for-you-Liste“ schaue. Auf der in der Regel nur ein Name steht. Nämlich meiner. Und ansonsten:

Business as usual:

Gardinen zur Seite schieben, die Fenster öffnen, die Betten ordnen, die Spielzeuge und schmutzigen Kleidungsstücke einsammeln, den Boden fegen, die Waschmaschine füllen, den Trockner leeren. Den Spiegel polieren. Das Frühstück vorbereiten. Und so weiter und so fort.

Wie wünsche ich mir manchmal, dass da irgendetwas Überraschendes, Abenteuerliches, Revolutionäres geschrieben stünde. Oder wenigstens etwas Anderes als gestern. Und vorgestern. Und vorvorgestern.

Aber ach…

Nichts dergleichen.

Isoliert und erschöpft

Um ehrlich zu sein:

An Tagen wie diesen treibt mich dieser einsame Kinder-Küche-Chaos-Kreislauf in den Wahnsinn!

In die Verzweiflung. Oder gar ins Süßigkeitenregal.

Oder alles zusammen.

Warum?

Weil es so eintönig ist. Energie raubt. Und sich endlos wiederholt.

Denn kaum ist der Boden gewischt, ist er auch schon wieder schmutzig. Kaum sind die Spielzeuge eingesammelt, sind sie schon wieder überall verstreut. Wie von Zauberhand.

Und kaum, dass ich einmal nicht müde bin, ist der Tag auch schon wieder vorbei…

Hohe Erwartungen und unerreichbare Mutter-Ideale

Manchmal macht mir das ganz schön zu schaffen. Dieses Gefühl, nichts zu schaffen. Immer wieder bei Null anzufangen. Oder unter Null. Diese Angst, meiner Rolle nicht gerecht zu werden. Nicht gut genug zu sein. Nicht zufrieden genug. Nicht mütterlich genug.

Dann scheint ein überdimensionaler Zauberspiegel vor mir her zu schweben, der ständig ruft:

„Mutter XYZ hinter den sieben Bergen mit ihren sieben Zwergen ist tausendmal besser als du! Sie kocht super lecker und super frisch. Sie ist immer gut gelaunt, einfühlsam und sooooo geduldig. Bei ihr ist alles blitzeblank und außerdem ist sie niemals müde oder krank!!“

Dieser Spiegel zaubert all meine Erfolge ganz klein und meine Schwächen riesengroß. Nach dem Motto: Küche geputzt? Pah, aber das Bad noch nicht! Den umgestoßenen Kakao nicht mit einem gütigen Lächeln quittiert? Was bist du nur für eine mürrische Monster-Mutter!

Bis ich schließlich das Gefühl habe, egal was ich tue, es reicht nicht. Es könnte besser sein. Ich könnte besser sein! Entspannter! Geduldiger! Effizienter!

Und das setzt mich noch mehr unter Stress.

Weil ich es eben nicht immer nur genießen kann für meine Familie da zu sein. Weil ich nicht immer frisch koche. Und auch nicht immer lecker;) Weil ich nicht immer nur geduldig und einfühlsam sein kann. Weil ich den Staubsauger manchmal hasse. Und den Besen auch.

Kurz:

Weil mich der hausmütterliche Alltag manchmal mürbe macht! Auch wenn ich ihn und meine Zeit ziemlich optimal manage. Und meine Familie sehr liebe!

Weitermachen – um jeden Preis?

Manchmal kann ich einfach nur nicht mehr. So einfach ist das eigentlich. Und doch so schwer. Denn nicht mehr können, ist etwas, was Mütter nicht können können. Und manche auch nicht können dürfen. Erst recht nicht, wenn sie allein erziehend sind (Das bin ich alhamdullilah nicht. Meinen grössten Respekt daher an alle, die allein mit ihren Kindern und ihren Sorgen sind!).

Manchmal würde es vielleicht schon reichen, wenn ich einfach nur wäre, wie ich bin. Unperfekt. Unideal. Und unausgeschlafen. Ohne dabei ein schlechtes Gewissen zu haben.

Aber das erlaube ich mir nicht. In meinem Kopf läuft ein unsichtbares Audio-Band, das mich stetig in die Schranken weist. „Alle anderen Frauen schaffen das auch. Wo ist dein Problem? Stell dich nicht so an! Mach weiter!“

Und dann mache ich weiter, obwohl ich gern mal eine Pause machen würde. Und dann werde ich weinerlich, reizbar und ungeduldig. Und keiner versteht warum.

Manchmal, ganz manchmal…

An Tagen wie diesen möchte ich am liebsten davon laufen.

Nicht vor meiner Familie, nein!

Aber vor den guten Vorsätzen und meiner weniger guten Laune.

Vor den Bausteinen, Buntstiften und Baby-Puppen. Vor den Krümeln unter dem Tisch und den Flecken auf den Fliesen. Vor den Bergen aus bekleckerten Pullovern und den mit Sand gefüllten Hosen.

Vor den Tellern, die verkleistert und bekleckst nach der Spülmaschine schreien. Vor den Körben ungelegter Kleidung, die vorwurfsvoll in der Ecke stehen.

Vor den angebissenen Äpfeln, den leeren Chipstüten und den großzügig in der Wohnung verstreuten Knete-Kügelchen.

Und vor allem: vor dem großen Zauberspiegel!

Da dass ja aber leider nicht geht, behelfe ich mir folgendermaßen:

Die Augen schließen und träumen

Ich schließe für einen Moment meine Augen. Und träume mich fort. Irgendwohin. Wo kein Krümel und kein Kinderspielzeug mich finden kann. Wo kein Spiegel mich sieht. Irgendwohin, wo nicht die Spülmaschine rauscht. Sondern nur der Wind in den Bäumen. Irgendwohin, wo es wild und abenteuerlich ist. Und ich mich so richtig lebendig fühle. Furchtlos und frei.

So ganz ohne Besen und Barbies und Schokoladen verschmierte Prinzessinenkleider.

Dafür mit einem wilden Funkeln in den Augen. Die Arme weit ausgebreitet. Wie zwei Flügel. Voll mit Sehnsucht. Und kühnen Träumen.

Dann bin ich Supermama. Kurz vor dem Sprung. Vom Apfelbaum. In dem der Wind rauscht. Und das Blut in meinen Abenteurer-Venen.

und dann abstürzen ins Chaos

Aber dann – fällt ein Blatt vom Baum. Ein Kind vom Sofa. Oder ein Stein von meinem Herzen.

Und ich stürze hinterdrein.

Und bin wieder da.

Als Un-Supermama im Superchaos. Super spät dran. Super müde. Und super unsuper.

wo Salz und Zucker sich vermischen,

Da liegen sie dann – meine Träume. Zerknittert im Wäschekorb. Gleich neben den dunklen Socken. Die Sehnsucht darbt unterm Küchentisch. Begraben unter einem Heer von Haferflocken. Und das einzige, was noch rauscht, sind meine Ohren. Vom Geschrei des Kindes, das eben vom Sofa fiel. (Keine Sorge, es geht ihm gut, alhamdullilah:))

Da liege dann auch ich. Hingestreckt vom Wahnsinn des ganz normalen Alltags. Auf den klebrigen Fliesen. Und weine. Und während sich das Salz meiner Tränen mit dem Zucker der gestrigen Apfelschorle vermischt, frage ich mich:

Supermama sein oder nicht sein? Und ob das eigentlich die richtige Frage ist.

Hast du auch so einen hinterhältigen Zauberspiegel zuhause? Was sagt er dir? Oder bist du eine Supermama mit super geheimen Superwaffen? Bitte verrate sie mir!

Zum Weiterlesen:

https://www.burnout.info/

https://frauenfuerfrauen.at/images/layout/wichtigeInfos/Burnout.pdf

https://www.familie.de/familienleben/eltern/burnout-muetter/

Bild von Gerhard Gellinger auf Pixabay

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